Dänischer Salbungsthron

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    Dieser Abschnitt der online Ausstellung beschäftigt sich mit dem dänischen Salbungsthron, der aus Narwalzahn erbaut wurde.

    Abb. 1: Darstellung von Narwalen aus dem 19. Jahrhundert

    Dänemarks koloniales Gut - Der Narwalzahn

    Das gerade, in sich gewundene Horn des Einhorns ist sein markantes Erkennungszeichen. Doch geht dieses Merkmal auf ein anderes Tier zurück, das wegen dieses Horns über Jahrhunderte eine ganz besondere Bedeutung besaß: der Narwal.

    Besonders im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit wurden dem Zahn des Narwals außergewöhnliche, fast magische Attribute zugeschrieben. Es herrschte lange Zeit der Glaube vor, dass das Horn, oder korrekter der Zahn, von einem Einhorn stamme. So wurde ihm sogar nachgesagt, vor Gift schützen zu können.

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    Abb. 2: Wie diese karikierende Darstellung zeigt, wurde Grönland im europäischen Raum untrennbar mit dem Narwal assoziiert

    Aufgrund dieser und weiterer Zuschreibungen war das Material äußerst begehrt und wertvoll: Der Zahn eines Narwals werde für den Verkauf mit dem 20-fachen seines Eigengewichtes in Gold aufgewogen. Beheimatet ist der Narwal in den arktischen Gewässern um Grönland und Islands Gebiete, die in der Frühen Neuzeit unter dänischer Herrschaft standen. Somit genoss der dänische Monarch das Privileg, sich an diesem aus seinem Herrschaftsgebiet stammenden Material zu bedienen. Ein prominentes Beispiel für die Verwendung des Narwalzahns ist der dänische Krönungsthron.

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    Abb. 3: Der dänische Salbungsthron in der heutigen Ausstellung

    Dieser steht wie kaum ein anderes Objekt für die Zeit des dänischen Absolutismus. Insgesamt wurden so in den Jahren von 1671 bis 1840 sieben Könige auf ihm gekrönt. Christian V. (1646–1699) war der erste König, der auf dem Thron, den sein Vater Frederik III. (1609–1670) in Auftrag gegeben hatte, gesalbt wurde. Mit der Krönung Christian VIII. und dem Ende des Absolutismus im Jahre 1840 durch seine Unterzeichnung der dänischen Verfassung fand der Einsatz des Thrones ein Ende. Der Thron besaß sowohl eine politische, als auch symbolische Bedeutung, war er doch selbst Teil der Herrschaftsinsignien und integraler Bestandteil der Krönung. Das Krönungszeremoniell kommunizierte die unangefochtene Stellung des Herrschers symbolisch.

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    Abb. 4: Durch das Material des Narwalzahns stellte der Thron ein einzigartiges Kunstwerk dar, das dem Prestige der dänischen Monarchie Symbolkraft verlieh.

    Daraus abgeleitet folgt die Ausstellung zwei großen Themensträngen, die jeweils vom Krönungsthron aus, der als Leitobjekt dient, erzählt werden können: Politik und Materialität. Der politische Themenstrang soll den Absolutismus, seiner Entstehung und Merkmale, sowie dänischer Machtpolitik, genauer das dänische Verhältnis zu den beherrschten Gebieten Island und Grönland behandeln. Unter dem Themenstrang Materialität wird die Rolle des Throns in Bezug auf seine Materialien, sowie deren Bedeutung und Wert betrachtet. Schließlich werden die beiden Stränge wieder zusammengeführt, aus ihnen wird der Thron „gebaut“.

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    Symbolische Konstante

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    Christian V. auf dem Salbungsthron

    Abb. 5: Christian V. auf dem aus Narwalzahn gefertigten Salbungsthron. Er war der erste absolutistische König Dänemarks.

    Christian VIII.

    Abb. 6: Christian VIII. auf dem Salbungsthron. Er war der letzte absolutistische König Dänemarks und beendete mit der Unterzeichnung der Verfassung den dänischen Absolutismus.