Symbolik, Politik, Materialität

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Nun ein genauerer Blick auf...

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Abb. 9: Starke Symbolkraft - Der Narwal in zeitgenössischer Darstellung mit einem Einhorn

Symbolik:

Als Teil der Herrschaftsinsignien besaß der Thron schon selbst eine hohe symbolische Bedeutung, welche die für ihn verwendeten Materialien noch verstärkten.

Der große Wert des Narwalzahns liegt im Einhornmythos begründet. Die Geschichte des Einhorns entspringt in ihren frühesten Wurzeln dem asiatischen Raum. Im Jahr 400 v. Chr. findet sich der erste europäische Bericht über ein Einhorn. Das auch heute noch bekannte gerade, in sich gedrehte, weiße und schräg nach vorne zeigende Horn ist ein Merkmal des Einhorns, dass um 1200 entstand. Ab dieser Zeit folgen die Darstellungen des Hornes dieser Beschreibung. Dies fällt mit Importen von Narwalzähnen oder, wie angenommen wurde, dem Horn des nordischen Einhorns, zusammen. Wikinger brachten von ihren Fahrten nach Grönland und Island die vermeintlichen Hörner eines nordischen Einhorns mit. Tatsächlich handelte es sich dabei um Narwalzähne. Dem Horn des Einhorns wurden verschiedene Attribute zugeschrieben: ein weltlicher und göttlich gerechtfertigter Herrschaftsanspruch, sowie eine medizinische Wirksamkeit gegen Gift.

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Abb. 10: Die "Lex Regia" bildete die Grundlage für den dänischen Absolutismus.

Politik:

Der Narwalzahn besaß auch eine hohe politische Bedeutung. Aufgrund der ihm zugeschriebenen Attribute war der Narwalzahn sehr wertvoll, symbolisch wie gewinnbringend. Ein König, der seinen Thron aus diesem Material bauen ließ, setzte sowohl innen- als auch außenpolitisch ein Zeichen: Der König Dänemarks war irdischer und geistlicher Herrscher. Daher ist die Ähnlichkeit und der Bezug zum biblischen König Salomo, der selbst einen aus Elfenbein gefertigten, von Silberlöwen bewachten Thron besaß, kein Zufall.

Frederik III., der den Thron in Auftrag gab, führte in Dänemark 1641 den Absolutismus ein. In seiner Gesetzessammlung, der Lex Regia,stärkte er seine Macht und schmälerte den Einfluss des übrigen Adels. Der Narwalzahn bot sich damit als geeignetes Material an, um seine Macht auf allen Ebenen zum Ausdruck zu bringen. Da Dänemark über Grönland herrschte, stellte die Beschaffung des Materials keine Schwierigkeit dar.

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Abb. 11: Es ist gut zu erkennen, dass die Narwalzahn-Elemente häufig kurz sind. Ganze Zähne sind nicht verbaut.

Materialität:

Der Narwalzahn gilt als Elfenbein. Häufig wurden die Zähne beim Fang beschädigt und bruchstückhaft nach Europa transportiert. Bei der Betrachtung des Throns fällt auf, dass viele Elemente aus kleinen Stücken bestehen, ein kompletter Narwalzahn ist nicht zu finden.

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