Wo der Narwal lebt, wo die Dänen herrschen

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Wo der Narwal lebt, wo die Dänen herrschen

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Carta Marina

Vergrößerung Nordatlantik

Gut zu erkennen: der Narwal im Meer und Island

Das dänische Kolonialreich erstreckte sich in der Frühen Neuzeit über Gebiete in der ganzen Welt. Im Fokus der historischen Forschung stehen vornehmlich Dänisch-Westindien sowie Besitzungen an der afrikanischen Goldküste wegen des Handels mit Versklavten. Dazu gehören Plantagen, auf denen vor allem Zuckerrohr angebaut wurde. Aber auch in Asien, Europa und der Arktis verfügte das Königreich Dänemark – in Personalunion mit Norwegen – über Kolonien.

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Abb. 7: Auf diesem Bild ist der Fang eines "Meereseinhorns" zu sehen.

Der Narwalzahn – das Material, aus dem der Salbungsthron besteht – wurde aus Grönland bezogen, das seit dem 18. Jahrhundert eine dänische Kolonie war. Schon Anfang des 17. Jahrhunderts hatte es drei Grönlandexpeditionen unter dem dänisch-norwegischen König Christian IV. (1577–1648) gegeben, die aber nicht zur dauerhaften Errichtung von Siedlungen führten.

Wegen der kargen, unfruchtbaren Landschaft und sehr niedriger Temperaturen war die Jagd nach Meeressäugetieren für die indigene Bevölkerung sehr wichtig. Die wirtschaftliche Ausbeutung von Meeressäugetieren in der Neuzeit führte schließlich auch dazu, dass europäische Schiffe auf Walfangfahrten fuhren.

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Abb. 8: David Cranz' Werk war die zeitgenössisch bedeutendste Beschreibung Grönlands.

Doch die Bedingungen für die Seefahrt waren alles andere als gut: Während große Eisberge auch als Risikofaktor erkannt wurden, betrachteten Zeitgenossen vor allem das flache Treibeis, in das die Meeressäuger beim Fang oft flohen, als maßgebliche Gefahr. Obwohl das Hauptinteresse der Europäer dem Grönlandwal galt, konnten auch Narwalzähne gewinnbringend verkauft werden: Die Population im nördlichen Abschnitt der Davisstraße sei groß gewesen, der Zahn des Tieres im Land so gewöhnlich, dass die indigene Bevölkerung diesen beim Hausbau als Dachsparren benutzte. Dies schrieb der HerrnhuterDavid Cranz in seiner Historie von Grönland (1765/1770). Auf dem europäischen Markt ließ sich das Material trotzdem für sehr viel Geld handeln. Besonders zu Beginn der Grönlandfahrten wurde der Narwalzahn als Horn eines Einhorns angepriesen und vermarktet. Mit weiterem Fortschreiten des Walfangs in diesen Gebieten verlor dieser Betrug, wie Cranz es beschreibt, jedoch an Schlagkraft und wurde gemeinhin nicht mehr geglaubt.

Nichtsdestotrotz blieb der Narwalzahn ein exotisches Material, das in einer lebenswidrigen Region unter erschwerten Bedingungen gefangen wurde. Damit versprach es größtmögliches Prestige und zeigte die weitreichende Verfügungsgewalt der Kolonialmacht Dänemark.

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